Was ist der richtige Umsatzsteuersatz für Filmschaffende?

7 oder 19 Prozent? Umsatzsteuersatz für Filmer

By: Christina

7 oder 19 Prozent? Welcher Umsatzsteuersatz gilt für Filmschaffende und Videojournalisten? Eine Frage die sich stellt, wenn du dich als Filmschaffender oder Videojournalist selbstständig machen möchtest und auf die Kleinunternehmerregelung verzichtest und damit umsatzsteuerpflichtig bist.

 

Journalisten weisen 7 Prozent Mehrwertsteuer aus

Normalerweise gilt in Deutschland der Umsatzsteuersatz von 19 Prozent. Einige Produkte und Dienstleistungen werden aber mit einem verringerten Satz von 7 Prozent besteuert. Darunter fallen auch journalistische Produkte, wie Zeitungsartikel, Radiobeiträge oder Fernsehreportagen. Als Filmschaffender und (Fernseh-)Journalist braucht man daher abhängig vom Produkt nur den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent aufzuschlagen. Das ist deshalb der Fall, weil man durch seinen „schöpferischen Anteil“ urheberrechtlich geschützte Beiträge produziert, was der Staat durch einen verringerten Steuersatz fördert. Auch bei einfachen Nachrichtenbeiträgen gilt der 7-Prozent-Satz. Kurzum: Freie Fernsehjournalisten können alle journalistischen Beiträge, Reportagen oder Filme mit 7 Prozent Mehrwertsteueraufschlag berechnen.
Fallen Unterkunftskosten oder Taxikosten an, so sind diese mit 19 Prozent beim Auftraggeber abzurechnen, es sei denn diese sind in einem Pauschalbeitrag eingeschlossen.

 

19 Prozent Umsatzsteuer bei Corporate-Filmprodukten

Kontrovers wird es bei der Frage ob mit 7 oder 19 Prozent zu besteuern ist, im Bereich Imagefilme oder Hochzeitsfilme. Meines Erachtens ist der schöpferische Anteil bei diesen Produkten durch Bildgestaltung und Schnitt genauso wie bei journalistischen Filmen gegeben. Dennoch erheben Hochzeitsfilmer und Filmschaffende im Bereich Unternehmensfilm (mir inklusive) in der Regel 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bei journalistischen Filmen für das Fernsehen erhebe ich also 7 Prozent Mehrwertsteuer, bei Corporate-Filmprodukten erhebe ich 19 Prozent Mehrwertsteuer.

 

7 und 19 Prozent – Steuersatz beim Finanzamt erklären

Dass man als Journalist (auch) Rechnungen mit einem Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent schreiben möchte, erklärt man dem Finanzamt im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“. Beim Punkt „Steuersatz“ kreuzt man an, dass auch Umsätze abgeführt werden, die ganz oder teilweise einem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Als Begründung kann man zum Beispiel die „Einräumung und Übertragung von Rechten nach dem Urheberrechtsgesetz als Journalist nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG“ formulieren. Vom Finanzamt erhält man dann einen Brief, der den Ausweis vom ermäßigten Steuersatz genehmigt. Wer zunächst als Kleinunternehmer tätig ist, kann natürlich auch später noch zur Umsatzsteuerpflicht wechseln. Wann es generell sinnvoll ist die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen und wann es Sinn macht darauf zu verzichten, habe ich in einem anderen Artikel zusammengetragen.

Die selbst erhobene Mehrwertsteuer hat übrigens keinen Einfluss auf den abziehbaren Vorsteuersatz. Selbst wenn man als Journalist stets 7 Prozent in Rechnung stellt, kann man sich trotzdem die vollen 19 Prozent Mehrwertsteuer bei Geschäftsausgaben vom Finanzamt zurückerstatten lassen.

2 Comments

  • Andreas Nöcker:

    Für mich als freischaffender Künstler, Film- und Videoeditor, der mit 7 % umsatzsteuerpflichtig ist stellt sich aber eine zusätzliche Frage. Wenn ich meinen Schnittplatz für einen Auftrag nutze und ihn dann auch getrennt zu meiner Arbeit in der Rechnung ausweise, sind dann für diesen 7%, oder 19% Umsatzsteuer zu berechnen?

  • PeHa:

    Hi,

    bin gerade über diesen Artikel gestolpert. Danke für die Infos und für die Mühen, die ihr euch macht. In dem Fall hier aber bitte Vorsicht!
    Generell gelten die 7% USt. für die Übertragung der Rechte. Sobald deine Leistung an andere Leistungen gekoppelt ist, ist’s idR schon vorbei. In dem Moment, wo du als VJ beispielsweise komplett ablieferst (fertiges Produkt), greift das schon nicht mehr. Und es greift auch nicht, wenn Du selbst-organisiertes Equipment am Start hast (ob eigen oder angemietet ist egal, weil das wird mit 19% USt. in Rechnung gestellt). Dann wird nämlich die einheitliche Gesamtleistung beurteilt, und zwar unabhängig davon, ob du zum Projekt 2 Rechnungen stellst.
    Es gibt zwar auch die Regelung der “Auftragsproduktion”, die an veschiedene Bedingungen geknüpft ist, um die 7% USt. ansetzen zu können – der Verwaltungsaufwand ist aber sehr penibel einzuhalten. Ein Fehler und du bist bei 19% USt.
    Nie vergessen, der Staat will dir Kohle zuvorderst rausziehen und nicht zugestehen (da ist beispielsweise die KSK sehr erwähnenswert…). Der Steuer-erklärende ist selbst verantworlich! Wenn das FA hingeht und deine 7%-Rechnungen auf 19% bemisst, zahlst nur du die Differenz, kein anderer.
    Das einzige Szenario, das ich mir “sauber” vorstellen kann, ist: du wirst zu nem Dreh gerufen, kriegst ALLES gestellt, machst quasi dein Ding an der Mühle und das wars. Denn damit lieferst du ja wirklich nur die Bilder mit den Nutzungsrechten ab, also die reine “künstlerische” Leistung. Bei LIVE-Produktionen wäre ich auch vorsichtig, denn mit “Mann im Ohr” bist du nicht mehr wirklich künstlerisch tätig.
    Wir dürfen hier auch eine weitere Sache nicht aus den Augen verlieren: es gibt schon seitens der Politik Anregungen, Freiberufler ins Gewerbe zu drücken. Da Ärzte und Anwälte aufgrund dicker Lobby ausscheiden, beträfe eine Umsetzung wie immer wieder die “Kleinen”, in dem Fall die Medienschaffenden.

    Ich bin übrigens kein StBerater, sondern sehr langjähriger Freiberufler. Hier sprach also Erfahrung aus realem Leben 😉

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