Bin ich Freiberufler oder habe ich ein Gewerbe?

By: Christina

Du möchtest dein Hobby zum Beruf machen und als Freier Filmschaffender, Videojournalist oder sonstiger Kreativer im Bereich Film und Medien arbeiten? Dann stehst du vor der Frage: Habe ich ein Gewerbe oder bin ich Freiberufler?

 

Freiberufler und Gewerbetreibende

Wer ein Gewerbe führt, muss
– ein Gewerbe anmelden
– Gewerbesteuer zahlen
– Pflichtmitglied in der IHK werden
– sich ins Handelsregister eintragen lassen und
– ist zur doppelten Buchführung verpflichtet.

Wer sich Freiberufler nennen darf, hat einige Vorteile. Der Gründungsaufwand ist deutlich geringer, da man sich nur beim Finanzamt anmelden muss. Zudem kann man als freier Publizist oder Künstler die Sozialversicherung über die Künstlersozialkasse in Anspruch nehmen.

 

Bin ich Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Die Zuordnung ist nicht immer ganz einfach. Indiz für die freiberufliche Arbeit ist die eigene „schöpferische oder gestaltende Arbeit“ und oftmals eine akademische Ausbildung. Ist deine Arbeit mit der Entwicklung von Ideen und Kreativität verbunden, was in den meisten Fällen als Filmschaffender gegeben sein sollte und hast du ein Studium im Bereich Medien oder Film absolviert und, dann hast du vor dem Finanzamt schon gute Argumente auf deiner Seite für die Freiberuflichkeit. Wenn du journalistisch tätig bist, also zum Beispiel Reportagen für das Fernsehen drehst oder als Videojournalist tagesaktuell arbeitest, dann gehörst du nach § 18 des Einkommenssteuergesetzes definitiv zu den Freiberuflern. Denn hier ist festgelegt, dass „Journalisten“ und „Bildberichterstatter“ zu den selbstständigen freien Berufen gehören. Dazu kommen „ähnliche Berufe“. Ob dein Unternehmen dann darunter fällt, entscheidet im Zweifelsfall das Finanzamt.

 

Einschätzung vom Finanzamt

Final entscheidet das Finanzamt. Du kannst aber immer Argumentationshilfen bieten. Dabei sind auch Formulierungen im Firmennamen relevant. Während beim „Videojournalisten“ der Bezug zu § 18 feststeht, geht die Bezeichnung „Filmproduktion“ mehr in Richtung Gewerbe („Produzieren“, „Handeln“, „Verkaufen“). Sollte das Finanzamt später, z.B. nach einer Betriebsprüfung zu dem Schluss kommen, dass es sich bei der freiberuflichen Tätigkeit doch um ein Gewerbe handelt, muss die Gewerbesteuer inklusive Zinsen für maximal sieben Jahre nachgezahlt werden.

Manchmal hängt die Einschätzung auch vom Berater ab, der den Antrag bearbeitet. Während meines Studiums fragte ich bei verschiedenen Finanzämtern nach, ob man als Hochzeitsfilmer Freiberufler ist oder ein Gewerbe hat. Einmal hieß es, die Tätigkeit sei trotz Medienstudium und – meines Erachtens – kreativer Tätigkeit, ein Gewerbe. Das andere Amt kam zu dem Schluss, dass Hochzeitsfilmer freiberuflich arbeiten. Auch in Foren lese ich immer wieder, dass verschiedene Kreative mit vermeintlich dem gleichen Schwerpunkt mal freiberuflich, mal gewerblich tätig sind.

 

Was passiert, wenn ich freiberuflich und gewerblich tätig bin?

Problematisch kann es dann werden, wenn die Tätigkeit aus gewerblichen und freiberuflichen Anteilen besteht. Dabei können auch nur kleine Anteile an gewerblicher Arbeit die freiberufliche Tätigkeit „infizieren“, sodass das Finanzamt die gesamte Tätigkeit als Gewerbe einstuft. Wenn du zum Beispiel einen Film dreht und hinterher DVDs brennt und diese verkauft, dann fällt diese Tätigkeit unter „Handel/Produktion“ und zählt als Gewerbe. Das ganze Unternehmen wird dann als Gewerbe gelten.

Sind beide Tätigkeiten untrennbar miteinander verbunden, ist das eine Ausnahme. Wer für seinen Auftraggeber als Endprodukt DVDs brennt und ein Pauschalhonorar für die gesamte Arbeit erhält, bei der der freiberufliche Anteil überwiegt, bei dem zählt die gesamte Tätigkeit als Freiberuflichkeit. Wenn du unsicher bist, kannst du dein Vorhaben beim Finanzamt einschätzen lassen.

Wer neben der Freiberuflichkeit noch unabhängig eine zweite Tätigkeit ausübt, kann hierfür ein Gewerbe mit getrennter Buchführung anmelden, ohne dass dies die freiberufliche Tätigkeit gefährdet, wenn es nichts mit der freiberuflichen Tätigkeit zu tun hat.

 

Wir: Freiberuflich als Filmschaffende

Cathi und ich sind beide freiberuflich tätig. Wir drehen hauptsächlich im journalistischen Bereich Filme für das Fernsehen, aber auch mal Imagefilme. Ich habe bei der Anmeldung beim Finanzamt die Unternehmensbeschreibung „Freie Journalistin und Filmschaffende“ angegeben, um mich direkt auf Paragraph 18 des Einkommenssteuergesetzes zu beziehen. Aber auch „Freie Filmschaffende“ wie bei Cathi wäre völlig ausreichend gewesen.

2 Comments

  • Thor:

    Hi, sehr guter Artikel,

    arbeitet ihr beiden denn auch an Projekten zusammen? Wie macht ihr es z.B., wenn ihr für den gleichen Imagefilm arbeitet mit der Rechnung? Vorausgesetzt der Auftraggeber überweist das Geld an einen von euch, stellt der andere dann noch einmal eine separate Rechnung an die Person, die das Geld überwiesen bekommen hat?
    Oder habt ihr eine GbR gegründet?

    Besten Dank, Thor

    • Christina:

      Hi Thor,
      danke für dein Interesse! Bei gemeinsamen Produktionen war ich bisher Produzentin. Ich habe alle Finanzen übernommen und auch dem Auftraggeber die Rechnung gestellt. Cathi hat mir ihrerseits eine Rechnung geschrieben. Ich muss mich dann natürlich auch um die KSK-Abgabe für ihre Honorare kümmern. Die KSK Abgabe haben wir dann vorher verrechnet und 50/50 aufgeteilt.
      Beste Grüße!

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