Freiberuflich Filme machen - Existenzgründung

Existenzgründung als Filmschaffender: 8 Hürden

By: Christina

Du willst dich als Freier Filmschaffender, Hochzeitsfilmer, Videojournalist oder Filmautor selbstständig machen? Dann kommen eine ganze Reihe an Gründungsentscheidungen und –formalitäten auf dich zu. Hier gebe ich dir einen Überblick, welche Hürden bei einer Existenzgründung als Filmschaffender sowie generell im Bereich Film und Fernsehen zu überwinden sind, bevor es richtig losgehen kann.

 

1. Hürde: Du selbst

Bevor du dich mit dem Finanzamt und deiner Rechtsform auseinander setzt, solltest du dir selbst einige Fragen beantworten:

  • Bin ich fachlich geeignet? Habe ich die Fähigkeiten und das Wissen, um im Bereich Film Erfolg zu haben?
  • Bin ich unternehmerisch geeignet? Bin ich bereit auch viel Zeit mit Akquise, Buchhaltung und Marketing zu verbringen?
  • Bin ich gesundheitlich fit? Kann ich bei Krankheiten den Verdienstausfall ausgleichen? Halte ich Stress sowie finanzielle Sorgen bei Auftragsengpässen aus?
  • Unterstützt mich mein Partner bei diesem Schritt?
  • Welche Finanzierungsmittel habe ich?

Hier kann auch die Einschätzung von Freunden oder Familie helfen. Hilfreich ist in jedem Fall ein Gespräch mit jemandem, der bereits in diesem Bereich arbeitet.

 

2. Hürde: Gesellschaftsform

Es steht fest: du möchtest selbstständig filmen! Doch was ist deine Gesellschaftsform? Wenn du dich alleine als Filmschaffender oder Videojournalist selbstständig machst, dann bist du Einzelunternehmer. Zu zweit oder einem Team kannst du dich zum Beispiel ohne Gründungsaufwand als GbR (dauerhaft oder nur projektbezogen) zusammenschließen. Sowohl als Einzelunternehmer als auch als GbR wird mit dem Privatvermögen gehaftet. Kapitalgesellschaften wie die GmbH, die AG oder die UG unterliegen gesetzlichen Formvorschriften oder Eintragungen ins Handelsregister und bedürfen der Mitwirkung eines Rechtsanwalts oder Notars. Mit jeder Rechtsform sind unterschiedliche steuerliche, haftungsrechtliche und finanzielle Auswirkungen verbunden. Hinweis: Da dieser Artikel Einzelunternehmen (oder im Zusammenschluss als GbR) im Bereich Film und Fernsehen zum Schwerpunkt hat, beziehen sich viele der weiteren Aspekte vorrangig auf die Gründung als Einzelunternehmen.

 

3. Hürde: Gewerbetreibender oder Freiberufler?

Ein Einzelunternehmer kann ein Gewerbe führen oder Freiberufler sein. Gewerbetreibende zahlen Gewerbesteuer und haben einen größeren Gründungs- und Buchführungsaufwand. Als Freiberufler reicht die Anmeldung beim Finanzamt. Im Filmbereich kann man sowohl als Gewerbetreibender als auch als Freiberufler tätig sein. Die Einstufung nach Einkommenssteuergesetz hängt davon ab, inwieweit deine Tätigkeit journalistisch, schriftstellerisch, unterrichtend, erzieherisch und/oder „künstlerisch“ ist. Die Abgrenzung ist nicht immer einfach. Mehr zu diesem Thema findest im Artikel „Bin ich Freiberufler oder brauche ich einen Gewerbeschein?“

 

4. Hürde: Anmeldung

Die Existenzgründung als Filmschaffender muss auch steuerrechtlich offiziell gemacht werden. Wer ein Gewerbe gründet, der muss dies beim Gewerbeamt anmelden und sich ins Handelsregister eintragen lassen. Das Gewerbeamt informiert von sich aus Finanzamt, Ordnungsamt, Berufsgenossenschaft sowie die zuständige Kammer. Für Freiberufler reicht mit dem Formular „Anmeldung einer selbstständigen Tätigkeit oder eines Gewerbebetriebes“ die Meldung beim Finanzamt. „Selbstständige Tätigkeit“ steht dabei für Freiberuflichkeit. Mit diesem Formular wird auch die Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmerregelung getroffen.

 

5. Hürde: Kleinunternehmer oder Umsatzsteuerpflicht?

Die Kleinunternehmerregelung kann dich bei geringen Einkünften (17.500 Euro im ersten Jahr / 50.000 Euro im zweiten Jahr / 17.500 Euro ab dem dritten Jahr) von der Umsatzsteuerpflicht „befreien“. Du musst dann keine Umsatzsteuer ausweisen, kannst dir aber auch keine Umsatzsteuer von deinen Ausgaben zurückerstatten lassen. Je nach Schwerpunkt kann es im Bereich Film sinnvoll sein die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen oder weniger sinnvoll. Mehr Informationen hierzu gibt der Artikel „Kleinunternehmer vs. Umsatzsteuerpflicht“.

 

6. Hürde: Soziale Absicherung

In Deutschland ist jeder Bürger krankenversicherungspflichtig, ob in der gesetzlichen oder der privaten Krankenkasse. Im Bereich Film und Fernsehen ist die Versicherung über die Künstlersozialkasse (KSK) für diejenigen die künstlerisch oder journalistisch tätig sind, eine attraktive Möglichkeit gesetzlich versichert zu sein, da die KSK die Hälfte zu den Kosten zu Kranken, Pflege- und Rentenversicherung beisteuert. Daneben solltest du überprüfen, ob Berufsunfähigkeit, Equipment und Hausrat (bei einem Arbeitsplatz in der Wohnung) versichert werden sollen sowie eine Berufshaftpflicht in Betracht ziehen.

 

7. Hürde: Steuer

Welche Steuern müssen gezahlt werden? Jeder Selbstständige muss Einkommenssteuer zahlen und dazu einmal im Jahr eine Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt abgeben. Dazu kommt für umsatzsteuerpflichtige Unternehmen, also für diejenigen, die die Kleinunternehmerregelung nicht in Anspruch genommen haben, die Umsatzsteuer. Im ersten Jahr müssen hier auch monatliche Umsatzsteuervoranmeldungen abgegeben werden. Gewerbetreibende müssen zusätzlich Gewerbesteuer zahlen.

Für die Identifikation deines Unternehmens brauchst du eine natürlich eine Steuernummer. Wenn du ein Gewerbe eröffnest und dich beim Gewerbeamt gemeldet hast, bekommst du automatisch vom Finanzamt einen „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ zugeschickt. Freiberufler können ihn beim Finanzamt abholen oder von den Seiten des Bundesfinanzministeriums herunterladen. Diesen Fragebogen musst du ausfüllen und bekommst dann deine Steuernummer zugeschickt.

 

8. Hürde: Finanzierung

Du möchtest in Equipment oder einen Schnittplatz investieren, aber dir fehlt das Geld? Verschiedene Förderbanken vergeben vergünstigte Kredite bei einer Existenzgründung als Filmschaffender. Bundesweiter Ansprechpartner ist die KfW-Bank. Dazu gibt es auf Länderebene weitere Förderbanken.

Wer aus einer Arbeitslosigkeit heraus gründet, kann in der Anfangsphase der selbstständigen Tätigkeit einen Gründungszuschuss erhalten. Hier hilft dir der Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur weiter.

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