Kamera Setup II

Kamerasetup II: Filmen mit der DSLR oder DSLM

By: Christina

Was macht eigentlich die Blende? Welche Belichtungszeit muss ich einstellen? AF oder MF zum Filmen? Und was war nochmal der ISO-Wert? Diese Fragen soll der Artikel Kamerasetup II – Einstellungen an der Kamera zum Filmen mit der DSLR/DSLM beantworten.

 

Blende – die Tiefenschärfe beeinflussen

Wenn ihr mit der DSLR oder DSLM filmt, dann wählt ihr am Moduswahlrad das M für den manuellen Modus. Im manuellen Modus bestimmt ihr Blende und Belichtungszeit selbst. Die Blende reguliert den Lichteinfall durch das Objektiv und damit die Helligkeit. Je kleiner die eingestellte Zahl ist, umso offener ist die Blende und umso heller ist das Bild.

Die Blende, auch f, beeinflusst neben der Helligkeit aber vor allem auch die Tiefenschärfe und damit die Bildästhetik. Die Schärfe kann sich über das ganze Bild erstrecken oder aber nur eine Ebene kann scharf sein. Kleine Blendenzahlen (z.B. f2.8) bedeuten einen kleinen Schärfebereich, große Blendenzahlen (z.B. f15) führen zu einem großen Schärfebereich. Wenn wir die Blende einstellen, gestalten wir also auch das Bild.

Wie klein die niedrigsten Werte sind, hängt dabei von eurem Objektiv ab. Objektive, bei denen man auch besonders kleine Blendenzahlen einstellen kann, nennt man „lichtstark“, wie zum Beispiel das Canon 50mm 1.4. Mit so einem Objektiv kann man auch bei wenig Licht noch vergleichsweise gut filmen (oder fotografieren) ohne ein hohes Bildrauschen in Kauf nehmen zu müssen.

Tiefenschärfe_870

 

ISO-Wert – wichtige Einstellung für die Helligkeit

Der ISO-Wert beschreibt die Sensorempfindlichkeit. Neben der Blende und der Belichtungszeit reguliert auch er die Bildhelligkeit. Meist liegt der niedrigste ISO-Wert einer Kamera bei 100. Er sollte immer möglichst klein gehalten werden, um eine gute Bildqualität zu gewährleisten. Je weniger Licht wir zur Verfügung haben, desto dunkler wird natürlich das Bild. Dann können wir die ISO-Zahl erhöhen, um weiterhin – auch unter dunkleren Lichtverhältnissen – filmen zu können. Je höher aber die ISO-Zahl ist, umso stärker wird das sogenannte „Bildrauschen“. Besonders bei Nachtaufnahmen wird dieser Effekt sichtbar, das Bild wirkt leicht pixelig und Schärfe geht verloren. Je nach Kameramodell und Sensorgröße fängt das Bild ab ca. ISO 800 an für das bloße Auge zu rauschen. Wir versuchen also entsprechend der vorhandenen Lichtverhältnisse immer einen entsprechend kleinen ISO-Wert einzustellen.

Wenn ihr noch nicht so fit seid mit der Kamerabedienung könnt ihr auch erstmal mit der ISO-Automatik arbeiten. Dann werdet ihr feststellen, dass die Kamera beispielsweise beim Übergang von hellen in dunkle Orte selbst die Helligkeit über den ISO-Wert reguliert. Dieses sogenannte „Pumpen“ sieht aber wenig professionell aus.

 

Belichtungszeit – wie stelle ich den Shutter beim Filmen ein?

Neben der Blende und der ISO-Zahl gilt es die Belichtungszeit bzw. Verschlusszeit einzustellen. In den meisten Fällen wird eine Verschlusszeit entsprechend der doppelten Bildfrequenz empfohlen. Arbeitet ihr also mit 25 fps, sollte der Verschluss bei 1/50 Sekunde liegen. Bei dieser Verschlusszeit entsprechen Bewegungsunschärfen am ehesten auch den vom Auge wahrgenommenen Bewegungsunschärfen. Je kürzer die Belichtungszeit ist, umso knackiger wird das Bild. Als Stilmittel kann das einen besonderen Effekt ergeben, entspricht dann aber weniger unserer Sehgewohnheit. Die Unterschiede zwischen der optimalen und einer frei gewählten Verschlusszeit sind manchmal kaum und manchmal deutlich zu erkennen. Insbesondere wenn es um schnelle Bewegungen wie bei Sport oder Wasser geht, werden die Unterschiede offenbar. Im folgenden Video zeige ich einen Wasserstrahl bei unterschiedlichen Belichtungszeiten.

Bei 1/50 Sekunde entspricht das Bild am ehesten dem, wie ich das Wasser auch ohne Kamera wahrnehme. Wenn nicht so viel Bewegung im Bild ist, arbeite ich aber schon auch mal mit bis zu einer 1/160 Sekunde, um etwas mehr Spielraum bei der Helligkeitsregulierung zu haben. Denn je länger die Belichtungszeit ist, umso heller wird auch das Bild. Da komme ich bei der vergleichsweisen langen Belichtungszeit von einer 1/50 Sekunde schnell an meine Grenzen, dass das Bild zu hell wird (dazu gleich).

Wenn bei Kunstlicht gedreht wird, ergeben sich manchmal großflächige horizontale Streifen im Bild. Durch eine leichte Veränderung des Shutters nach oben oder nach unten können diese Streifen, die aus „Unverträglichkeiten“ zwischen Kameratechnik und Lichttechnik resultieren, beseitigt werden.

 

Mein Bild ist viel zu hell! – Graufilter

Die Sonne scheint. Der ISO-Wert liegt bei 100, ihr habt für eure Belichtungszeit das Optimum einer 1/50 Sekunde eingestellt und wollt nun mit einer kleinen Blendenzahl eine schöne Tiefenunschärfe erzielen. Aber das Bild ist viel zu hell. Wer auch fotografiert, weiß, dass 1/50 Sekunde eine vergleichsweise lange Belichtungszeit ist. Bei Tageslicht – trotz bereits der kleinsten ISO-Zahl – kommt man durch diese lange Belichtung schnell an Grenzen, die Helligkeit zu regulieren. Die Blende müsste in dieser Situation zwangsweise sehr geschlossen (= große Blendenzahl) sein, um das Bild richtig zu belichten. Das ist aber nicht immer erwünscht. Zum Einen arbeitet das Objektiv dann nicht im optimalen Bereich, zum Anderen sind wir gestalterisch sehr eingeschränkt: Das Bild ist auf allen Ebenen mehr oder weniger gleich scharf, was nicht nach Film aussieht. Ein Graufilter (oder auch ND-Filter), der auf das Objektiv geschraubt wird, ist hier ein unerlässliches Zubehör für den Filmemacher. Er nimmt eine gewisse Lichtmenge weg, sodass auch im Hellen kleine Blendenzahlen eingestellt werden können.

 

Fokus – manuell die Schärfe ziehen

Wenn wir mit der DSLR oder der DSLM filmen, filmen wir meist im manuellen Modus (MF). Aufgrund des kleinen Schärfebereiches ist das Fokussieren im manuellen Modus gar nicht so einfach und braucht etwas Übung. Insbesondere bei bewegten Motiven oder im Reportagebereich empfiehlt es sich, die Blendenzahl etwas höher zu wählen, um Spielraum zu bekommen und leichter die Schärfe halten bzw. mitziehen zu können.

Bei Menschen ziehen wir die Schärfe grundsätzlich an den Augen. Die Nase darf unscharf sein, die Ohren unscharf – wenn die Augen scharf sind, wird das Bild als richtig fokussiert wahrgenommen. Aber nicht immer muss das Bildmotiv scharf sein. Oft leben die Filmaufnahmen mit der DSLR bzw. DSLM auch gerade von den Unschärfen. Der Protagonist geht in die Unschärfe, kommt wieder in den Schärfebereich – das wirkt sehr ästhetisch.

Um die Schärfe zu kontrollieren, gibt es Hilfen. Das kann ein externer Monitor sein, der das Displaybild vergrößert oder kostengünstige Displaylupen, die man an die Kamera montiert. Bei vielen Kameras, wie auch bei Cathis GH4 kann man das sogenannte Fokus Peaking einstellen. Dabei werden die Stellen durch Einfärbung markiert, die gerade scharf sind. Bei Canon lässt sich diese Funktion mit der Software Magic Lantern, die von der SD-Karte operiert, nachrüsten.

Die GH4 hat beim Fokussieren noch ein nettes Gimmick. Hier kann man auch einfach über das Display durch Tippen fokussieren. Bei vielen Positionswechseln oder Bewegung im Bild kann das enorm hilfreich sein. Eine kleine Verzögerung vom Tippen zum Fokuswechsel wird da in Kauf genommen.

 

Die ersten Schritte beim Filmen mit der DSLR habt ihr hinter euch. Mit Blende und Belichtungszeit geht ihr souverän um, das manuelle Fokussieren klappt auch schon richtig gut. Der erste richtige Filmdreh steht vor der Tür? Dann findet ihr hier acht Tipps um als Videojournalist oder Filmemacher den ersten Dreh zu meistern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top