Lieber Umsatzsteuer abführen oder die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen?

Kleinunternehmer vs. Umsatzsteuerpflicht

By: Christina

“Möchte ich als Filmschaffender Kleinunternehmer sein oder Umsatzsteuer ausweisen?” Wenn du dich als Filmschaffender selbstständig machst, stehst du auch vor dieser Frage. Wann es sinnvoll ist die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen und wann der Verzicht darauf die bessere Wahl ist, soll dieser Artikel „Existenzgründung: Kleinunternehmer vs. Umsatzsteuerpflicht“ klären.

 

Die Kleinunternehmerregelung

Der Staat erlaubt es Selbstständigen mit einem Umsatz unter 17.500 Euro im ersten Jahr (50.000 Euro im 2. Jahr; 17.500 Euro ab dem 3 Jahr) sich von der Umsatzsteuerregelung befreien zu lassen. Kleinunternehmer zahlen dann weder Umsatzsteuer noch können sich diese vom Finanzamt erstatten lassen.

Was bedeutet das? Wenn du erstmal nur geringe Einkünfte erwartest, kannst du deinen Organisationsaufwand mit der Kleinunternehmerregelung verringern. Du musst dann nämlich keine monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen beim Finanzamt abgeben und auch bei der jährlichen Steuererklärung keine Umsatzsteuererklärung zusätzlich machen. Auf Rechnungen musst du die 7% bzw. 19% Mehrwertsteuer nicht auf dein Honorar aufschlagen, sondern erklärst auf deinen Rechnungen sinngemäß „Als Kleinunternehmer im Sinne von § 19 Abs. 1 UStg. wird keine Umsatzsteuer berechnet.“

Demgegenüber kannst du dir die Umsatzsteuer bei Ausgaben auch nicht vom Finanzamt erstatten lassen.

Ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchtest, legst du fest mit dem Formular „Anmeldung einer selbstständigen Tätigkeit. Dabei ist es egal ob du gewerblich oder freiberuflich arbeitest. Die Wahl auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten, bindet dich für fünf Jahre.

 

Umsatzsteuer „zurückholen“

Wenn du auf die Kleinunternehmerregelung verzichtest, kann du dir bei Ausgaben, mit der Umsatzsteuererklärung bzw. Voranmeldung die Umsatzsteuer „zurückholen“. Kaufst du dir zum Beispiel eine Kamera für 1000 Euro (inkl. 19% Mehrwertsteuer = 190 Euro), dann bekommst du vom Finanzamt diese 190 Euro zurück. Auf deinen eigenen Rechnungen weist du Umsatzsteuer aus. Zu deinem Honorar werden also noch 7% bzw. 19% (dazu in einem anderen Artikel) aufgeschlagen – der Anteil, den du an das Finanzamt zahlst. Einnahmen und Ausgaben werden gegeneinander gerechnet. Hast du in dem Monat, in dem du dir die neue Kamera gekauft hast, Einnahmen von 700 Euro zuzüglich 19% Mehrwertsteuer (= 133 Euro), dann werden in der Umsatzsteuervoranmeldung die ausgegebenen 190 Euro Mehrwertsteuer mit den eingenommenen 133 Euro Mehrwertsteuer verrechnet. In diesem Fall erhält du 57 Euro.

 

Wann macht die Kleinunternehmerregelung im Bereich Film und TV Sinn?

Filmschaffende, wie Hochzeitsfilmer, die vorwiegend Privatpersonen als Kunden haben, können von der Kleinunternehmerregelung profitieren. Für Privatpersonen verteuert sich der Preis für die Dienstleistung/das Produkt, da sie keine Umsatzsteuer abführen können. So bezahlt das Brautpaar defacto 690 Euro und nicht 500 Euro, wenn Mehrwertsteuer ausgewiesen wird. Der Kleinunternehmer, der keine Umsatzsteuer ausweist, kann sein Produkt also günstiger anbieten und hat damit einen Wettbewerbsvorteil.

Auch für denjenigen der kaum Ausgaben hat, z.B. als Filmautor ohne eigens Equipment arbeitet oder seine Selbstständigkeit so anlegt, dass sie wahrscheinlich dauerhaft unter der 17.500 Euro-Umsatzgrenze bleibt, kann die Kleinunternehmerregelung sinnvoll sein.

 

Wann macht es Sinn auf die Kleinunternehmerregelung im Bereich Film und Fernsehen zu verzichten?

Unternehmen und Fernsehsendern ist es gleich, ob du Umsatzsteuer ausweist oder nicht. Sie lassen sich als umsatzsteuerpflichtige Unternehmen genauso die Umsatzsteuer vom Finanzamt erstatten. Du hast also keinen Wettbewerbsnachteil dadurch, dass auf deiner Rechnung 690 Euro (inkl. 19% MwSt.) und nicht 500 Euro als Kleinunternehmer steht. Dabei bekommst du die Umsatzsteuer für all deine Ausgaben zurück. Besonders als freier Filmschaffender kommt da für Equipment, Schnittplatz und Co einiges zusammen. Und diese Anschaffungskosten fallen meist direkt am Anfang an. Daher ist die Überlegung „Ach, ich fange mal klein an, und später entscheide ich mich dann vielleicht für die Umsatzsteuerregelung.“ weniger sinnvoll.

 

Zusätzlicher Vorteil als Journalist

Bei journalistischen Dienstleistungen besteht die Besonderheit, dass nur 7% Mehrwertsteuer ausgewiesen werden müssen. Dadurch hat man einen zusätzlichen Vorteil. Man muss nur 7% auf die Rechnungen aufschlagen und an das Finanzamt abgeben, erhält aber bei den Ausgaben die vollen 19% zurück.

Ein weiterer kleinerer Aspekt ist die Außenwirkung. Wer sich spätestens auf der Rechnung als Kleinunternehmer „outen“ muss, offenbart seinen Kunden damit, dass er weniger als 17.500 Euro mit dieser Tätigkeit verdient, was einen faden Beigeschmack hinterlassen kann.

 

Wie es bei mir aussieht: Freie Filmschaffende mit Umsatzsteuerpflicht

Wegen der hohen Investitionskosten, der journalistischen Arbeit und dem Ziel, damit auch bald mehr als die 17.500 Euro zu verdienen, habe ich mich gegen die Kleinunternehmerregelung entschieden. Um unabhängig von einer Produktionsfirma Filme zu verkaufen, war es für den NDR sogar formale Notwendigkeit, dass ich Umsatzsteuer ausweise.

Nach einem Jahr monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen, mache ich nun meine Voranmeldungen quartalsweise. Das ging aber auch monatlich schon relativ flott, da eigentlich nur die Ausgaben zusammengerechnet werden, sowie die Einnahmen (aufgeschlüsselt nach 7% und 19%) dem gegenübergestellt werden.

 

Ob es sinnvoll ist Umsatzsteuer auszuweisen oder die Kleinunternehmerregelung in Anspruch zunehmen, hängt im Bereich Film und Fernsehen sowie bei allen Gründungen vor allem von der Kunden- oder Auftragsgebergruppe ab, die man beliefert. Dazu kommt die Frage, ob man viele Ausgaben hat (contra Kleinunternehmerregelung) und den Organisationsaufwand klein halten möchte (pro Kleinunternehmerregelung).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to Top